Berufliches Selbstverständnis der sozialpädagogischen und therapeutischen Fachkräfte im multiprofessionellen Team - Fortbildung im Bezirk Braunschweig 28./29. Mai 2018

An zwei Tagen diskutierten im Internationalen Haus Sonnenberg sozialpädagogische und therapeutische Fachkräfte (überwiegend in Förderschulen geistige und körperlich-motorische Entwicklung tätig) über ihr Berufsverständnis, die Arbeitsbedingungen und die Stellung in den Kollegien und Teams. Nach der Klärung von Begrifflichkeiten wie der neu geforderten Berufsbezeichnung „therapeutische und sozialpädagogische Fachkräfte“ anstelle von „pädagogischen Mitarbeiter*innen“ und einer Vermeidung der Sammelbezeichnung „nichtlehrendes Schulpersonal“ (Wer definiert sich denn über das , was er/sie NICHT ist…?) wurde in den zwei Berufsgruppen getrennt über das Selbstverständnis der jeweiligen Professionen diskutiert.

Bei den therapeutischen  Fachkräften (meist Physio-, Ergotherapeut*innen und Logopäd*innen) wurde herausgestellt, dass diese vielfältige Aufgaben und Spezialgebiete in Förderschulen abdecken. Neben der allgemeinen Förderung der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in ihrer motorischen, kognitiven und sprachlichen Entwicklung und einer damit verbundenen bestmöglichen Teilhabe am Schulalltag wurden folgende Punkte besonders herausgestellt:

Beratung und Unterstützung der Klassenteams, Mitarbeit an der Erstellung von Förderplänen, Bindeglied zwischen Elternhaus, Ärzten und Schule, Hilfsmittelberatung, Absprachen mit Orthopädiemechanikern und anderen Hilfsmittelanbietern, Beratung und Schulung der Kolleg*innen z.B. bei Handling oder rückengerechtem Arbeiten und vieles mehr.

Die Gruppe der sozialpädagogischen Fachkräfte diskutierte im Kontext der Arbeit in multiprofessionellen Teams über die Aussage…“nach Anleitung der Lehrkraft zu arbeiten“. Es waren sich alle einig, dass Hierarchie kein Weg für das Arbeiten im multiprofessionellen Team ist.

Heilerziehungspflege befasst sich als professionelles Berufsfeld mit der Assistenz, Beratung, Begleitung, Pflege und Bildung von Menschen mit physischen, psychischen und kognitiven Beeinträchtigungen.  Im Rahmen der Erzieher*innenausbildung werden sozialpädagogische Kernkompetenzen erlangt, wie z.B.: Kooperation in einem Team sowie mit Eltern und anderen an der Erziehung beteiligten Menschen, pädagogischen Beziehungsgestaltung, Planung, Durchführung und Evaluation pädagogischer Prozesse, Leitung von Gruppen mit bis zu 25 Kindern.

Jede Profession bringt eigene Schwerpunkte in die multiprofessionellen Teams ein, die sozialpädagogischen Fachkräfte leisten die Beziehungs- und Erziehungsarbeit. Sie arbeiten oft  den gesamten Schultag mit/an den Schüler*innen und sorgen so für Kontinuität.

Im Zusammenhang mit der Fragestellung “Was brauche ich um gut zu arbeiten“, wurden der Wunsch nach Fortbildungen, bessere räumliche Ausstattung, feste Klassenzugehörigkeit und immer wieder Zeit für Teambesprechungen und kollegialem Austausch aber auch die Wertschätzung im Kollegium genannt. Bei der Betrachtung, „Der Möglichkeiten zur Verbesserung der persönlichen Arbeitssituation“, benannten die Teilnehmerinnen den Austausch mit Kollegen auf Augenhöhe, Vollzeitstellen, Zeit für die inhaltliche Vorbereitung, mehr Zeit für Elternarbeit, regelmäßig Teambesprechungen, aber auch den Wunsch nach sicherem Auftreten und dem Anspruch sich seiner Kompetenzen bewusst zu sein, waren Verbesserungsvorschläge.

Deutlich wurde in dieser Arbeitsphase aber auch, dass das Arbeitsfeld „Schule“ für therapeutische und sozialpädagogische Fachkräfte viel Positives beinhaltet. Was ist gut so wie ich arbeite? Raum für eigenes (kreatives) Gestalten, zielgerichtete Therapie, intensiver Schülerkontakt, verantwortliches und vielseitiges Arbeitsfeld, Raum, um besondere persönliche Fähigkeiten einzubringen.

Auch am folgendem Tag, der von Bettina Melcher (Diplompädagogin und Coach für Körpersprache) in Hinblick auf das selbstbewusste Auftreten und einer entsprechenden Körpersprache gestaltet wurde, sind viel Aspekte der Arbeit sozialpädagogischer und therapeutischer Fachkräfte an Förderschulen nochmals genau unter die Lupe genommen und vertieft worden. Allen Teilnehmer*innen  wurde in Diskussionen, Übungen und Rollenspielen klar, wie wichtig und vielfältig die eigene Arbeit ist und wie selbstbewusst wir auch hierzu stehen sollten!

Nur wenn alle an Schule Beschäftigten sich im Rahmen ihrer Professionen wertschätzend begegnen und ein für die Arbeit elementaren Austausch möglich ist, kann der viel beschworene Qualitätsanspruch ermöglicht werden.

Um diese Arbeit in den Teams mit allen Professionen zur Klärung der Rollen und Aufgaben unter Berücksichtigung der jeweiligen Fachkompetenz abzusprechen und um gleichwertig auf Augenhöhe zu arbeiten, bedarf es Zeit. Zeit um Teamgespräche zu führen. Zeit, die im Arbeitsvertrag nicht vorgesehen ist.

Fazit: Abschaffung der Zwangsteilzeit (z. Zt. arbeiten diese Kolleg*innen mit maximal 80%-Verträgen) und Anpassung der Arbeitszeit in Multiprofessionellen Teams: 75 Prozent unmittelbare zu 25 Prozent mittelbare Arbeit und das mit Vollzeitverträgen!