Eine Oberschule für Braunschweig - GEW-Kreisverbandsvorstand nimmt Stellung

Im Vorfeld der letzten Sitzungen von Schulausschuss und vom Rat der Stadt Braunschweig überraschte die CDU-Fraktion mit der erneuten Forderung nach Einführung einer Oberschule in Braunschweig.
Zu dieser Forderung nimmt der Vorstand des GEW-Kreisverbands Braunschweig Stellung: 

Eine Oberschule für Braunschweig

Im Vorfeld des letzten Schulausschusses und der Ratssitzung überraschte die CDU Fraktion mit der erneuten Forderung nach der Einführung einer Oberschule in Braunschweig. Vorgeschlagen wurde die Umwandlung einer bestehenden Hauptschule und einer Realschule in eine Oberschule mit zwei Standorten.
Wir, als Kreisverband der GEW, halten diesen Vorschlag für übereilt. Aus Sicht der Lehrkräfte an den bestehenden Haupt- und Realschulen ergeben sich sicherlich Vorteile. Die Unterrichtsverpflichtung in der Oberschule liegt bei 25,5 Stunden auch Funktionsstellen mit einer Höhergruppierung sind vorhanden. Für die Lehrkräfte wären dies sicherlich Verbesserungen. Dagegen steht die Mehrbelastung durch die Arbeit an zwei Standorten und die Planungen in der Entstehungsphase.
Abzuwägen bleibt auch, welche Auswirkungen die Schaffung auf das Schulgefüge der Stadt Braunschweig hat. Da die geplante Oberschule keinen gymnasialen Zweig vorhalten soll, ist die Konkurrenz für die Gymnasien und die Integrierten Gesamtschulen gering. Auch die Notwendigkeit eine 6. IGS zu schaffen, ist davon nicht betroffen.
Im Haupt- und Realschulbereich würde sich die Konkurrenzsituation jedoch verschärfen. Gerade der Druck auf die Hauptschulen könnte noch mehr zu nehmen und die soziale Durchmischung noch geringer werden. Dies kann nicht das Ziel sein.
Um diese Konkurrenzsituation zu vermeiden, müssten alle bestehenden Haupt- und Realschulen umgewandelt werden. Dies setzt aber Diskussionsprozesse vor Ort und die Einbeziehung der Schulen voraus. Dazu reicht es nicht, die Meinung der Schulleitung einzuholen. Hier müssen die betroffenen KollegInnen, die Eltern und auch die SchülerInnen einbezogen werden.
Die Entscheidung, eine neue Schulform in Braunschweig einzuführen, muss gut durchdacht werden und sollte nicht gegen den Willen der KollegInnen erfolgen. Wir haben gut arbeitende und funktionierende Haupt- und Realschulen in Braunschweig. Diese sollte man nicht ohne sehr guten Grund auflösen.
Auch der Wille der Eltern eine längere gemeinsame Beschulung der Kinder umzusetzen, wird in der Oberschule nur bedingt erfüllt. In der Regel werden spätestens ab Klasse 7 nach schulformen getrennte Klassen gebildet. Dies ist nach Meinung der GEW kein sinnvoller Weg die Selektion im Schulsystem zu überwinden und mehr Chancengleichheit zu gewährleisten.

Für den Kreisvorstand der GEW Braunschweig
Kathleen Bosse  /  Kai Pawletko

 

 

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